Vorbemerkung
Wir verwenden in diesem Artikel das Kürzel KZ für das deutsche Wort Konzentrationslager. Mit dieser Verwendung stellen wir keinen Vergleich mit den deutschen Konzentrationslager der Jahre 1933-1945 her. Wir verwenden diesen Begriff unabhängig von den Ereignissen der Shoa bzw. des Holocaust.
Am 10.10.2025 trat ein von US-Präsident D. Trump formulierter Plan - "Friedensplan" genannt - in Kraft. Er bestand aus 20 Punkten, den Trump mit Ministerpräsident B. Netanyahu unter Ausschluss jeglicher palästinensischer Beteiligung - abstimmte. An elementare Punkte dieses Plans hat sich Israel bisher nicht gehalten. Näheres hierzu finden Sie in unserem Artikel
"Friedensplan" von D. Trump ist nur "heiße Luft"
Zur aktuellen Lage
Der israelische Militärchef Eyal Zamir verkündete am Montag, dass die im Waffenstillstandsplan vom Oktober festgelegte „gelbe Linie” eine „neue Grenze” für Israel darstelle. Eigenwillig verlegte Israel die sog. Gelbe Linie in Richtung Meer, wodurch sich das der Bevölkerung zur Verfügung stehende Land auf 42% verkleinerte. Dort leben 2,1 Mio. Palästinenser. Diese Linie ist zu einer tödlichen Grenze geworden, die Palästinenser daran hindert, ein Gebiet zu betreten, das 58 % des Gazastreifens in seiner ursprünglichen Größe ausmacht.
Entlang der von D. Trump gezogenen gelben Linie befestigt Israel eine neue Grenze. Wer sich dieser Linie nähert oder sie zu überqueren versucht, wird erschossen. Aber innerhalb des reduzierten Streifens sterben weiter Menschen durch Bomben, Granaten und Gewehrfeuer - Zivilisten und Kämpfer.
Waffenstillstand heißt, keine Waffen zu benutzen - auch nicht gegen die Kämpfer der Hamas. Der Rest-Gazastreifen ist vollkommen abgeriegelt. Die Belieferung der Bevölkerung mit notwendigen Güter wie Lebensmittel, Wasser, Medikamente, Zelte, Hygienearikel und Kleider werden von Israel massiv behindert. Aktuell untersagte Israel 37 internationalen Hilfsorganisationen den Zugang zum Streifen. Zu Hunger und Durst sind mit der Winterzeit Regen, Überschwemmungen und Erfrieren als Todesursache dazugekommen. So sieht eben Völkermord aus!
Die Nahost-Korrespondentin der Zeitung The Guardian, Emma Graham-Harrison, beschreibt das Leben der Palästinenser in der Roten Zone von Trumps Plan:
https://www.theguardian.com/world/video/2025/dec/17/how-israel-yellow-line-dividing-gaza-deadly-consequences-video-explainer
Die Grenze wird zunehmend befestigt. Da keine Journalisten Zutritt zum Streifen haben, kann nur vermutet werden, was geschieht.
Neuen Untersuchungen von Forensic Architecture zufolge verändert Israel die Geographie des Landes physisch. Durch Ausbau militärischer Infrastruktur und Zerstörung bestehender Gebäude scheint Israel den Grundstein für den Aufbau einer dauerhaften Präsenz im Großteil des Gazastreifens zu legen. Die Analyse zeigt auch, dass Israel zwischen dem 10. Oktober und dem 2. Dezember 2025 Folgendes getan hat:
- Bau von 48 bestehenden Militäraußenposten im Gazastreifen (grüne Zone, östlich der Yellow Line) mit dazugehöriger Infrastruktur.
- Ausbau eines Straßennetzes, das militärische Außenposten innerhalb des Gazastreifens mit dem israelischen Straßennetz, Stützpunkten und Siedlungen außerhalb des Gazastreifens verbindet.
- Fortsetzung des im September 2025 begonnenen Baus einer neuen Straße in Khan Younis, um den Magen Oz-Korridor so umzuleiten, dass er innerhalb des israelischen Kontrollgebiets verläuft.
- Beteiligt an der systematischen Zerstörung palästinensischen Eigentums, insbesondere im Osten von Khan Younis, und zielt auf Gebiete ab, die noch nicht zerstört wurden. In diesem Gebiet sind neue militärische Außenposten und Straßen entstanden.
Satellitenbilder zeigen: Israel bereitet sich auf eine dauerhafte Präsenz im Gazastreifen vor. Dies berichtet Drop Site News. Die Auswertungen von Forensic Architecture zeigt folgende
Grafik bei Drop Site.
Und an den Grenzen zum Gazastreifen sind bereits zionistische Siedler in Stellung gegangen, um den Gazastreifen zu besiedeln. Hören Sie hierzu ein Interview des englischsprachigen
The Observer auf Youtube: Kolonialismus und Rassismus in Reinkultur:
- "Das Land gehört mit Sicherheit nicht den Palästinensern."
- Gaza gehört seit den Tagen der Bibel dem israelischen Volk."
sind gesprochene Sätze der Siedler.
Warum wir diese Konstruktion ein KZ, ein Konzentrationslager nennen, zeigt die folgende Merkmalsliste. Nach internationalem Recht gehört der Gazastreifen zu den von Israel besetzten Palästinensischen Gebieten, in offizieller UN-Terminologie: Occupied Palestinian Territory (OPT) und gilt als von Israel besetzt. Die Besatzung im Gaza-Streifen besteht wie die im Westjordanland seit 1967. Die Merkmale:
- Vollkommen abgeriegeltes Territorium, deren Zu- bzw. Ausgänge vollständig von Israel kontrolliert wird. DieBewohner haben keine Möglichkeit, das Gebiet zu verlassen.
- Bewaffnetes Personal setzt die Abriegelung (Punkt 1) mit Waffengewalt durch. Es wird ohne Warnung geschossen. Die "Grüne Zone" gilt als Feuerzone.
- Auf ca. 153 qkm sind 2,1 Mio. Menschen eingesperrt. Dies sind 13.725 Personen je qkm. Damit zählt der Gazastreifen zu den Regionen mit einer der weltweit höchsten Bevölkerungsdichte.
- Die Bewohner des Gaza-Streifens gehören ausschließlich zur arabischen Bevölkerungsgruppe. Mehrheitlich sind sie Muslime. Etwa 1000 Personen bekennen sich zur christlichen Religion.
- Etwa 70% der Bevölkerung, bzw. deren Eltern oder Großeltern wohnten vor 1948 auf dem Gebiet, das heute als Staat Israel bezeichnet wird. Sie haben mehrheitlich den UN-Flüchtlingsstatus.
- Die Lebensverhältnisse im Lager sind katastrophal betreffend Ernährung, Wohnung, Hygiene, Gesundheit.
- Die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern wird von Militär unterbunden.
Soweit die Fakten, und jetzt die Meinung dazu: Gaza ist ein KZ! In Gaza werden 2,1 Mio. Palästinenser auf 153 qkm konzentriert.
Dieser Satz wurde mittlerweile von vielen gesprochen, auch von jüdischen Israelis.
- Der ehemalige israelische Premierminister Ehud Olmert spricht sich im britischen „Guardian“ vehement gegen die von Israel im Gazastreifen geplante „humanitäre Stadt“ für Palästinenser und Palästinenserinnen aus. Die „humanitäre Stadt“ wäre ein „Konzentrationslager“ („KZ“). (Österreichischer Rundfunkt, ORF)
- Der Verteidigungsminister habe klare Pläne für die ethnische Säuberung des Gazastreifens und die Schaffung eines „Konzentrationslagers oder Durchgangslagers für Palästinenser vor ihrer Vertreibung“ dargelegt, sagt der israelische Historiker Amos Goldberg im englischen Guardian.
- "Aber schon in den Dreissigerjahren wurden Menschen eingesperrt, getötet, sämtlicher Rechte beraubt. Das hat den Durchschnittsdeutschen damals nicht gestört. Eine ähnliche psychische Verfassung finden wir heute in Israel", sagt der israelische Politologe und Wissenschaftshistoriker José Brunner in REPUBLIK
- Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Montag vor Journalisten, dass der Plan zunächst die „Umsiedlung“ von 600.000 vertriebenen Palästinensern, die sich aktuell im Gebiet Al Mawasi aufhalten, in die Ruinen der südlichen Stadt Rafah vorsieht. Was Katz als „Umsiedlung“ umschreibt, bedeutet schlicht ethnische Säuberung. Text aus https://occupiednews.com/konzentrationslager-in-gaza/
- Der Vatikan-Beauftragte für Menschenrechte hat den Gaza-Streifen mit einem Konzentrationslager verglichen. Kurienkardinal Renato Martino sagte in einem Interview, die Lage in dem Palästinensergebiet ähnele einem "großen KZ". (Der Spiegel)
- Israels Verteidigungsminister will im Süden des Gazastreifens ein Lager für 600.000 Menschen errichten. Er selbst spricht von einer "humanitären Stadt". (tagesschau.de)
- Prof. Dr. Hermann Knoflacher von der TU Wien spricht vom "größten Konzentrationslager der Welt".
- "Die Bilder aus Gaza sind viel schlimmer als die aus den Nazi-Lagern", sagt der türkische Staatspräsident Erdogan.
- "Über ... die von Israel angedachte »humanitäre Stadt« in Gaza: Solche Strukturen werden von manchen als Konzentrationslager bezeichnet. Warum ich den Vergleich für vertretbar halte", sagt die Kommentatorin Leonie Schöler im Spiegel.
- Israel plans to confine Gaza residents in a closed concentration camp atop Rafah ruins, lautet die Überschrift eines Artikels von Euro-med Human Rights Monitor
- "Die Kommunikationsdirektorin der UNRWA, Juliette Touma, erklärte gegenüber Al Jazeera, dass Israels Plan zur Zwangsumsiedlung zur Entstehung „riesiger Konzentrationslager” im südlichen Gazastreifen führen", heißt es bei Al-jazzeera.
- "CAIR Condemns GHF’s Reported Plan for ‘Modern-Day Concentration Camps’ in Gaza", lautet der Titel eines Artikels der Bürgerrchts-Organisation CAIR.
- "Israel plans concentration camp for Gaza", sagt der EU-abgeordnete Marc Botenga auf der Plattform THE LEFT IN THE EUROPEAN PARLAMMENT
- Ori Goldberg, israelischer Politikkommentator, sagt, es sei „eine große Sache“ für Israel, über seinen Plan zu sprechen, im südlichen Gazastreifen „ein Konzentrationslager für Palästinenser“ einzurichten. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=YWZfEupwPv8
- Mit "Katz (isr. Verteidigungsminister, die Red.) proposes 'concentration camp' on Rafah's ruins for Gaza's Palestinians" ist ein Artikel überschrieben in dem Mark Seddon, ehemaliger UN-Korrespondent und Wissenschaftler, und der palästinensische Menschenrechtsaktivist Ihab Hassan zitiert werden: sie verglichen diesen Schritt mit dem Bau eines Konzentrationslagers für Palästinenser in dem vom Krieg zerstörten Gebiet. (Quelle: https://www.newarab.com/news/katz-proposes-rafah-concentration-camp-gazas-palestinians)
Die Amadeo-Antonio-Stiftung schreibt zum Thema Gaza-Konzentrationslager-Vergleich:
Die Gleichsetzung der Konzentrationslager der Shoah mit der Situation in Gaza ist antisemitisch.
Wir antworten darauf: Wir setzen nichts gleich! Jedes Verbrechen hat seine eigene Zeit, seine eigenen Täter und seine eigenen Opfer. Wir müssen nicht für jedes Verbrechen der Welt eine eigene Vokabel erfinden. Was uns bewegt, ist das Leid der Menschen. Und für die Leiden gibt es Namen: KZ, Apartheid, Rassismus, Kolonialismus, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschheit.
Alle diese Begriffe gab es schon vor dem 7.10.2023. Wer das Zutreffen dieser Bezeichnungen auf die Ereignisse in Gaza bestreitet, ist Mit-Täter.
Quellen:
Drop Site News: Israel Is Preparing for a Permanent Presence in Gaza, Satellite Images Reveal / Satellitenbilder zeigen: Israel bereitet sich auf eine dauerhafte Präsenz im Gazastreifen vor - Der 20-Punkte-Plan des D. Trump in der
Jüdischen Allgemeinen und im
Spiegel - The Observer