Die Kombination aus Zionismus und Kolonialismus

Das jüdisch-zionistische Projekt "Israel" ist ein Kolonialsystem. Rashid Khalidi, US-amerikansich-palästinensischer Historiker an der Columbia-Universität, spricht im Zusammenhang mit dem Zionismus von einer "kolonialen Siedlerbewegung". (Khalidi, S. 23)
Das zionistische Siedlerprojekt, das 1948 zur Gründung des Staates Israel führte, ist begleitet von der Unterstützung der Kolonialmächte Frankreich und besonders England, später auch der USA. Dabei verfolgten die Kolonialmächte natürliche eigene Interessen und die jüdisch-zionistischen Einwanderer wurden als Instrument gegen die einheimische, arabische Bevölkerung genutzt. Dass die jüdisch-zionistischen Einwanderer eigene Interessen hatten, die mit denen der Kolonialmacht England kollidierten, hatte  Folgen, die sich auch bei der Besiedlung des nord-amerikanischen Kontinents zeigten. Auch bei der kolonialen Besiedlung Süd-Afrikas lässt sich dieses Phänomen konkurrierender Interessen erkennen. 

Definition Kolonialismus

Als Kolonialismus wird die Inbesitznahme auswärtiger Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der ansässigen Bevölkerung durch eine Kolonialherrschaft bezeichnet. Kolonisten und Kolonialisierte stehen einander dabei kulturell in der Regel fremd gegenüber, was bei den Kolonialherren im neuzeitlichen Kolonialismus mit dem Glauben an eine kulturelle Überlegenheit über die sogenannten „Naturvölker“ und teils an die eigene rassische Höherwertigkeit verbunden war. (Quelle wikipedia.de 2023-08-30, zitiert wird: Jürgen Osterhammel: Kolonialismus: Geschichte, Formen, Folgen. Wissen Beck, 9. aktualisierte Auflage in Koautorschaft mit Jan C. Jansen, München 2021, ISBN 978-3406773419 / nicht überprüfte Quelle)

Phasen des Kolonialsystems

Die Veränderungen in Palästina, die durch koloniale Besiedlung zugewanderter Menschen verursacht wurden lassen sich in 4 Phasen gliedern:

  1. Phase 1881 -1917: Erste Einwanderer aus Europa
  2. Phase: 1917 -1948: Palästina unter dem Einfluss der Kolonialmächte Frankreich und England
  3. Phase: 1948 - 1967: Palästina unter Israel, Ägypten und Jordanien 
  4. Phase: 1967 - 2022: Israel und das OPT (Occupied Palestinian Territory), die Besatzung
  5. Phase: 2023 - heute: Der Faschismus an der Macht

Zu 1: Erste Einwanderer aus Europa

Die ersten europäischen, jüdischen Siedler kamen in den späten 1870er und frühen 1880er Jahren nach Palästina. Von den damals in Palästina lebenden Juden unterschieden sie sich deutlich in Habitus, politischem Bewusstsein und Sprache. Die indigene jüdische Bevölkerung sprach arabisch und unterschied bis auf die religiöse Lebensweise nur wenig von ihren muslimisch-arabischen Nachbaren. Aber bereits die erste Einwanderung führte zu lokalen Konflikten mit der lokalen Bevölkerung.  (Quelle 1)
Gespeist wurde diese Einwanderung von einem anwachsenden Antisemitismus in Mittel- und Osteuropa. Im Fokus dieser Entwicklung stehen die Pogrome in Folge der Ermordung des russischen Zaren Alexander II. 

Zu 2: Die Kolonialmächte Frankreich und England

Zentrales Ereignis dieser Periode ist die Balfour-Erklärung. Auf der Suche nach Verbündeten im zionistischen Siedlerprojekt wurden führende Zionisten fündig in England. Das Ereignis ist dokumentiert und sichert den zionistischen Einwanderern nach Palästina die Unterstützung der Kolonialmacht England zu. Dass die Interessen der lokalen Bevölkerung dadurch nicht tangiert werden sollten, wie im Dokument erwähnt, war bestenfalls eine Illusion.

Durch finanzielle Unterstützung finanzkräftiger Mäzene kauften zionistische Organisationen Land. Die alten Eigentümer waren Großgrundbesitzer und lebten meist in Städten von den Erträgen der von ihnen abhängigen Landarbeiter. Durch den Verkauf der Güter ging aber der palästinensischen Landbevölkerung die Lebensgrundlage verloren. Und diese Entwicklung gefährdete die Existenz breiter Bevölkerungskreise, da die neuen Eigentümer die bestehenden Pachtverhältnisse nicht verlängerten, sondern das Land selbst bewirtschafteten. Diese existenzbedrohenden Entwicklung führte zum großen palästinensischen Aufstand gegen die Kolonialmacht 1936-39. Am Ende war die politische Führung des Landes entweder tot oder im Exil. 

Baustelle!  

Zu 3: Der Staat Israel

Israel nach der Staatsgründung  ist eine Festschreibung des Zustandes. der durch angeordneten Waffenstillstand erreicht wurde. Israel akzeptierte die Bedingungen, die territorial weit über die von der UNO-Resolution vorgeschlagenen Bereich hinaus ging. Ca. 75% der ursprünglichen arabischen Bevölkerung wurden vertrieben und die Rückkehr wurde ihnen verweigert. Durch das sog. Landabwesenheitsgesetz wurden alle Personen, die länger als ein Jahr ihr Land nicht betraten, enteignet. Damit erlangte der Staat Israel die Eigentumsrechte von 65% des Landes. Die enteigneten Vertriebenen galten als "abwesend". Da aber nicht wenige der "Abwesenden" nicht ins Ausland  geflohen waren, sondern auf dem Gebiet des neuen Staates Israel verblieben waren, wurden auch diese Binnen-Vertriebene enteignet und man bezeichnete Sie als "anwesende Abwesende". Auch viele der in ihren Heimatorten verbliebenen Palästinenser wurden enteignet.

Und so wurden aus 6% jüdischem Eigentum des Jahres 1947 94% jüdisches Eigentum im Jahre 1952. Die arabische Bevölkerung, die heute (2020) etwa 20% der gesamten israelischen Bevölkerung ausmacht,   wurde unter Militärverwaltung gestellt: Bewegungsbeschränkungen, politische Einschränkungen, keine Niederlassungsfreiheit, Überwachung und Kontrolle waren die bestimmenden Merkmale 

ZU 4: Die Besatzung

„Das Land Israel befindet sich nun in den Händen des jüdischen Volkes, und so, wie es uns nicht erlaubt ist, auf den Staat Israel zu verzichten, sind wir gleichermaßen verpflichtet, das zu bewahren, was wir durch ihn empfangen haben: das Land Israel.“

Nach dem Krieg von 1967 stehen alle palästinensischen Gebiete außerhalb Israels unter israelische Militärverwaltung. Der oben angeführte Satz beinhaltet den ideologisch zionistischen Besitzanspruch über da biblische Israel. Nach 1967 wird die politische Realisierung dieses Anspruchs umgesetzt. Nach der Nakba   beginnt jetzt die systematische Vertreibung und Enteignung palästinensischen Landes im OPT.

Zwei Autoren lassen wir hier zu Wort kommen:

  1. Der Israeli  Gil Shohat publiziert bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen lesenswerten Artikel.
  2. Der palästinensische Historiker Rashid Khalidi. Wir empfehlen sein Werk "Der 100jährige Krieg um Palästina",  hier rezensiert, 2024 in Deutsch erschienen. 

Zu 5: Der Faschismus an der Macht

Im Dezember 2022 kamen nach Parlamentswahlen führende Vertreter der Siedlerfraktion zu Macht in Form von Ministerposten. ...

Elemente des Kolonialsystems

Entsprechend der obigen Definition werden die Elemente des Kolonialismus beleuchtet; dabei werden die Begriffe nicht wortgleich zur obigen Definition verwendet.

  1. Die Ausbeutung 
  2. Der Rassismus  
  3. Die Vertreibung   
  4. Die Gewalt der Siedler 
  5. Ungleichheit vor dem Gesetz
  6. Außergerichtliche Tötungen
  7. Inhaftierungen ohne Gerichtsurteil  und ...
    Urteile ohne rechtsstaatliche Prinzipien - Marwan Barghouti
  8. Das System der Apartheid

 

Quellenangaben: 

  1. Rashid Khalidi, Der 100jährige Krieg um Palästina, Eine Geschichte von Siedlerkolonialismus und Widerstand, dt. 2. Auflage, Zürich 2024
  2. Jeffrey Veidlinger, Mitten im zivilisierten Europa, Die Pogrome von 1918 bis 1921 und die Vorgeschichte des Holocaust, dt., C.H.Beck München 2022
  3. Omer Bartow, Anatomie eines Genozids, Vom Leben und Sterben einer Stadt namens Buczacz, dt. Augabe bei Jüdischer Verlag im Suhrcamp-Verlag, 1. Aufl. 2021