Der Friedenspreis des Deutschen Buchandels 2026 (s. u. - mit vernichtender Kritik an Deutschland)

Der Friedensnobelpreis 2026

Der diesjährige Friedensnobelpreis wurde an die Südafrikanerin Navanethem Pillay vergeben. Sie steht stellvertretend für das in heutiger Zeit mit Füßen getretene Völkerrecht. Ihr Lebenswerk ist auch für Palästina von großer Bedeutung.  

Pillay war laut dem Nobelpreiskomitee Richterin am Obersten Gerichtshof Südafrikas, am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda und am Internationalen Strafgerichtshof. Sie amtierte als Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte und leitete die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der UN zu den besetzten palästinensischen Gebieten. »In einer Zeit existenzieller Herausforderungen – mit mehr Kriegen und Konflikten als seit langer Zeit – ist das Völkerrecht längst nicht mehr nur eine Ergänzung für Frieden und Sicherheit. Es ist zu einer unverzichtbaren Notwendigkeit geworden«, heißt es in der Stellungnahme weiter. 
Mit diesen Worten würdigte  das Wissenschaftsportal Spektrum.de die neue Preisträgerin. 

Wikipedia.de trägt folgende Daten zusätzlich: 
Navanethem Pillay (geborene Navanethem Naidoo; * 23. September 1941 in Clairwood, Durban) ist eine südafrikanische Juristin auf dem Gebiet des Menschenrechtsschutzes und Völkerstrafrechts. ... Von 2021 bis 2025 war sie Vorsitzende der Ständigen Faktfindungsmission der Vereinten Nationen zum Israel-Palästina-Konflikt.

Die Ständige Faktfindungsmission der Vereinten Nationen zum Israel-Palästina-Konflikt wurde in Folge des Israel-Gaza-Konflikts im Jahr 2021 (Operation Guardian of the Walls) gegründet. Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UNHCR) stimmte am 27. Mai 2021 dafür, eine Untersuchungskommission (Commission of Inquiry, COI) der Vereinten Nationen einzurichten mit der Aufgabe, mögliche Kriegsverbrechen und andere Missbräuche in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten zu ermitteln.

Die Kommission erstattet dem Menschenrechtsrat seit Juni 2022 jährlich Bericht. Im Gegensatz zu früheren Erkundungsmissionen ist die Untersuchung unbefristet und wird „alle zugrunde liegenden Ursachen wiederkehrender Spannungen, Instabilität und Dauerhaftigkeit von Konflikten untersuchen, einschließlich Systematische Diskriminierung und Unterdrückung aufgrund nationaler, ethnischer, rassischer oder religiöser Identität.“

Israel verweigerte die Zusammenarbeit. Die Kommission wurde von Israel, den USA und weiteren Staaten angefeindet, um deren Arbeit zu verhindern. Ein Mitarbeiter antwortete: 
„Es scheint keine Verfallsklausel zu geben, die Israel empfohlen wird, um die Besatzung zu beenden … Solange die Besatzung andauert, muss die UN die Besatzung untersuchen … wir würden gerne das Ende der Besatzung sehen.“

Auch der 1. Bericht der Kommission wurde von Israel, den USA und von Ihnen dominierten Ländern attackiert. 
Der erste Bericht wurde am 7. Juni 2022 veröffentlicht. In dem Bericht hieß es, dass die Beendigung der Besatzung nicht ausreichen würde. Darin hieß es, dass die Hauptursache der Probleme in der „dauerhaften Besatzung“ liege, ohne die Absicht, sie zu beenden, und dass Israel „vollständige Kontrolle“ über das besetzte Gebiet wolle. Israel verweigerte den Zugang zu Israel oder den palästinensischen Gebieten, palästinensische und israelische Zeugenaussagen wurden in Genf und Jordanien gesammelt.

Navi Pillay sagte vor dem Rat: „Angesichts der klaren Weigerung Israels, konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Erkenntnisse und Empfehlungen früherer Kommissionen zu ergreifen, muss die internationale Gemeinschaft dringend neue Wege erkunden, um die Einhaltung sicherzustellen mit dem Völkerrecht.“ Sie verurteilt außerdem die Palästinensische Autonomiebehörde für ihr Versäumnis, Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abzuhalten, und die Führer in Gaza für ihr Versäumnis, die Menschenrechtsstandards einzuhalten.

Wir Danken Frau PiIlay für ihre gewissenhafte und sorgfältige Untersuchung des Konfliktes um Palästina. Wir danken für ihre Sorgfalt, ihre wissenschaftliche Präzision und ihre aufrechte Haltung gegenüber allen Anfeindungen aus interessengeleiteten Staaten.  

 

Der Friedenspreis des deutschen Buchhandels

Seit 1950 werden die Träger*innen des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels für ihre Verdienste für den Frieden, der Menschlichkeit und der Verständigung der Völker geehrt. 2026 ging er an den französisch-britischen Juristen und Schriftsteller Philippe Sands.
"Philippe Sands wird 1960 in London geboren. Seine Eltern sind Überlebende des Holocaust, sein Vater stammt aus dem heutigen Litauen, die Mutter aus Lwiw in der heutigen Ukraine. Ihre Lebensgeschichten bilden einen wichtigen Hintergrund für sein späteres Wirken. Sands schließt sein Jurastudium an der University of Cambridge 1983 mit einem Master of Laws ab. Hier befasst er sich schon früh mit dem Internationalen Recht, also jenen Regeln, die das Verhalten von Staaten, Regierungen und internationalen Institutionen bestimmen und Themen wie Menschenrechte, Kriegsverbrechen, Folter, Genozid, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Umweltschäden und koloniales Unrecht umfasst.", heißt es auf der Internetseite.

Als eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen unserer Zeit setzt sich der französisch-britische Jurist und Schriftsteller für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein. Der Nachkomme von Holocaustüberlebenden zeigt entlang der eigenen Familiengeschichte, wie dieses Recht entstanden ist und welche Erfahrungen hinter den Tatbeständen »Genozid« und »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« stehen.

Seine Dankesrede widmete er Autoren, die nicht Schweigen. Seine Kritik an Deuschlands haltung zu Palästina war vernichtend: "Deutschland weiß alles über ethnische Säuberung. Warum dann das Schweigen?"

"Lassen Sie uns die Autorinnen, die Dichter und Songschreiber anhören, die Dinge beim Namen nennen, selbst wenn es Unannehmlichkeiten bringt:
Schriftstellerinnen wie Beata Umubyeyi Mairesse, über den Völkermord in Ruanda; oder Adania Shibli, über ein Verbrechen im Negev; Autorinnen und Autoren wie Eva Menasse und Richard Flanagan, die sich unseren eigenen Kämpfen mit der Wahrheit stellen; und Filmemacher wie Luca Guadagnino, Yuval Abraham und Rachel Szor; und alle, welche die Macht von Worten und Bildern und Regeln nutzen, um die Autonomie und die Rechte von Individuen und Gruppen zu schützen.

Aber eine Welt ohne Regeln ist totaler Unsinn. Und diese Regeln sind nicht bloß für andere da, nicht bloß für unsere Feinde. Sie sind universell. Sie sind auch für uns da und sie sind für unsere Freunde da.

Das Töten zahlreicher Menschen als Kriegsverbrechen oder als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist nicht weniger schwerwiegend als ein Völkermord. Dies sind alles schreckliche Verbrechen. Sie verlangen nach Verantwortlichkeit und müssen angeprangert werden, und diejenigen, die anprangern – ganz gleich, welche Bezeichnung sie verwenden –, sollten nicht zum Schweigen gebracht, ausgeschlossen oder bestraft werden, nur weil sie ihre Rede- und Meinungsfreiheit ausüben. Autorinnen und Journalisten, Sänger und Dichterinnen, Filmemacher und andere müssen ihre Geschichten erzählen können.

Die Tatsache der Verbrechen zum Schweigen zu bringen ist unanständig. Diejenigen zum Schweigen zu bringen, die versuchen, die Verbrechen anzuprangern, ist ebenso unanständig. Deutschland hat viele Gräuel angeprangert und ist aktiv geworden, von den Jesid*innen bis zu den Uigur*innen, von Syrien bis Iran, von Myanmar bis Sudan und der Ukraine. Doch zu Israel, zum Gazastreifen und zum Westjordanland ist das deutsche Schweigen bis heute laut. Zugleich beunruhigen mich die Debattenbeschränkungen. Dies umso mehr nach dem eindeutigen Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von 2024 zum palästinensischen Selbstbestimmungsrecht. Großbritannien, Kanada, Frankreich und viele weitere Länder haben seitdem einen palästinensischen Staat anerkannt. In jüngster Zeit haben sie Sanktionen verhängt, der britische Außenminister hat die Handlungsweise in den besetzten Gebieten als ethnische Säuberung bezeichnet.

Deutschland weiß alles über ethnische Säuberung. Warum dann das Schweigen?"

Quellen:

  1. Wissenschaftsportal Spektrum:  https://www.spektrum.de/news/nobelpreis-26-friedensnobelpreis-geht-an-pillay-aus-suedafrika/2349090
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Navanethem_Pillay
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A4ndige_Faktfindungsmission_der_Vereinten_Nationen_zum_Israel-Pal%C3%A4stina-Konflikt
  4. https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/alle-preistraeger-seit-1950/2020-2029/philippe-sands
  5. Dankesrede von P. Sands: https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/alle-preistraeger-seit-1950/2020-2029/philippe-sands, hier in Auszügen zitiert,