Stellen Sie sich vor, sie wohnen in dem kleinen Hunsrück-Dorf Buchholz und arbeiten als Krankenpfleger*in in einem Koblenzer Krankenhaus (22 km, 25 min). Die amerikanische Militärverwaltung, die seit 1945 in der Bundesrepublik das alltägliche Leben bestimmt, hat die Zufahrt zur B327 gesperrt.
Die B327 ist ausschließlich für amerikanische Siedler aus der Kleinstadt Emmelshausen reserviert. In Emmelshausen wird der Zugang von schwerbewaffneten GIs kontrolliert. Um nach Koblenz zu gelangen, müssen Sie den Umweg über die Kreisstraße K119 zur Mosel nach Brodenbach nehmen. Aber bereits am Ortsausgang von Buchholz erreichen Sie den ersten Militärkontrollpunkt. Er ist aktuell nicht besetzt und Sie hoffen, dass in der nächsten Stunde der Kontrollpunkt besetzt wird und Sie mit Ihrem Privatwagen, in dem noch Ihr Nachbar und seine beiden Söhne sitzen, die ebenso nach Koblenz zur Arbeit müssen, passieren können. Nach 45 Minuten wird der Kontrollpunkt besetzt und nach umfangreichen Kontrollen des amerikanischen Militärs kommen Sie nach 35 Minuten an die Spitze des Kontrollpunktes. Bei der Passkontrolle werden Sie aufgefordert, Ihren Wagen auf den Seitenstreifen zu parken. Alle Personen werden einer gründlichen Körpervisitation unterzogen - hinter Ihnen stehen 3 mit Maschinenpistolen bewaffnete US-Soldaten. Nach 20 Minuten dürfen Sie weiterfahren.
Nach knapp 10 km haben Sie den Moselort Brodenbach erreicht und biegen auf die B49 in Richtung Koblenz ab. Am Ortsausgang der B49 von Alken - der nächste Ort - versperrt ein gepanzerter MTW die Fahrbahn. Eine Weiterfahrt ist unmöglich, weil bei einer antiamerikanischen Demonstration Jugendliche Steine auf amerikanische Militärfahrzeuge geworfen haben. Das Militär antwortete mit scharfen Schüssen auf die Demonstranten. Der 15 jährige Georg S. erlitt dabei tödliche Schussverletzungen. Sie wenden Ihr Fahrzeug und fahren moselaufwärts bis zur nächsten Brücke, um auf der anderen Moselseite nach Koblenz zu kommen. Die nächste Brücke bei Löf ist nicht benutzbar, da die Brückenauffahrt mit schweren Betonblocks gesperrt ist. Sie sind gezwungen, weiter nach Treis zu fahren und dort die Brücke über die Mosel zu verwenden. Vorbei an einer größeren Militäreinheit mit gepanzerten Fahrzeugen fahren Sie jetzt auf der B416 in Richtung Koblenz. Sie haben noch 47 km zu fahren, es ist jetzt 10:35 Uhr, um 6:30 Uhr sind Sie in Buchholz weggefahren. Sie hoffen, um 13:00 Uhr in Koblenz zu sein, denn um 14:00 Uhr beginnt Ihre Mittags-Schicht im Krankenhaus. Und die Leitung des Krankenhauses hat Ihnen bereits mitgeteilt, dass Ihre Pünktlichkeit zu wünschen übrig lässt. Drei der 4 Insassen werden heute Abend - es ist Montag - versuchen, bei Freunden einen Schlafplatz zu finden, um während der Woche pünktlich zur Arbeit zu kommen. Sie selbst auch, denn Sie brauchen das Geld. Zwei Ihrer 4 Kinder haben nur Gelegenheitsjob. ihre beiden jüngsten Mädchen gehen noch zur Schule. Die Schule, eine Einrichtung der UNRWA musste allerdings letzte Woche schließen, weil amerikanisches Militär die Schließung verfügte. Die Begründung: Unterstützung von Terror gegen die US-Militärverwaltung.
Hier endet mein fiktiver Bericht über die amerikanische Besatzungsmacht, die nach 1945 nicht in die USA zurückgekehrt ist, sondern amerikanische Siedler vor Ihrer Wut und der Ihrer Kinder beschützt. Das Haus Ihrer Nachbarn hat das Militär bereits abgerissen, weil der Sohn einen Anschlag gegen die Militärstation in Koblenz verübt haben soll. Sie und Ihr Ehepartner gehen jeden Samstag Abend in Buchholz zur Kirche und beten inständig dafür, dass Ihre ältesten Söhne morgen nicht zur Demonstration gehen.
Und jetzt zur Realität im Westjordanland: Können Sie sich das so vorstellen?
Versuchen Sie es! Es ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was in Palästina Realität ist. Und es ist nur ein kleiner Ausschnitt an Demütigungen, die sie über sich ergehen lassen müssen. Am Checkpoint müssen sie schweigen! Sie haben keine Beschwerdestelle. Wenn sie sich über einen israelischen Siedler beschweren, der mit seinem Traktor ihr Auto ramponiert hat, dann werden Sie verhaftet.
Und jetzt zu den Zahlen, sorgfältig von der UN-Organisation OCHA ermittelt: Die Bewegungshindernisse in Zahlen auf einer Fläche von ca. 5.600 km2 - etwas mehr als 1/4 der Fläche von Rheinland-Pfalz:
| Pos. | Hindernis-Art | 2025 | 2020 |
| 1 | Checkpoint / Kontrollpunkt | 89 | |
| 2 | Road Gate / Straßenschranke | 159 | |
| 3 | Earthwall / Erdwall | 167 | |
| 4 | Earthmound / Erdhügel | 28 | |
| 5 | Road Gate / Straßenschranke, unregelmäßig geschlossen | 73 | |
| 6 |
Partial Checkpoint CP - nicht temporär besetzt |
66 | |
| 7 | Partial checkpoint / Temporärer Kontrollpunkt (geschlossen) | 62 | |
| 8 | Partial checkpoint with open gate / Teilkontrollpunkt mit offener Schranke | 90 | |
| 9 | Road Barrier / Straßensperre | 76 | |
| 10 | Road Block / Straßensperre | 105 | |
| 11 | Trench / Graben | 10 |
Bemerkungen: Natürlich gibt es einen Unterschied. Dass amerikanisches Militär in Deutschland ist, ist ein Ergebnis deutscher Politik - 1933 und 1949. Die Anwesenheit zionistischer Siedler in Palästina und israelischer Soldaten ist kein Ergebnis palästinensischen Handelns. Hingegen trifft Deutschland eine große Schuld durch die Verfolgung der Juden eine Fluchtbewegung in Gang gesetzt hat, die 1948 Palästina ausgelöscht hat. Der letzte Akt dieser Auslöschung findet gerade heute (2026) statt.
Zur Situation der Palästinenser bezüglich Bewegungsbeschränkungen lesen sie den Artkel
2026.04.23 - UN-OCHA: 3,4 Mio. Menschen seit 59 Jahren in zerstörender Unfreiheit
Zur Erläuterung:

Checkpoint

Road Gate

Earthwall / Erdwall

Earthmound / Erdhügel

Partial Checkpoint

Road Barriere,
keine Zufahrtsmöglichkeit,
reservierte Straße

Road Block

Graben
Und dann gibt es noch die Mauer/den Zaun - bis zu 8 m hoch auf einer Länge von 759 km. Er schützt die zionistischen Diebe vor der Wut der Bestohlenen.
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Quellen:
- Zahlen von UN OCHA: https://www.ochaopt.org/content/west-bank-access-restrictions-map-december-2025
- Bildrechte bei United Nations, https://www.ochaopt.org/content/west-bank-access-restrictions-map-december-2025
- Bildquelle "Mauer": CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3499404
- Bildquelle "Zaun": Von Eman - Eman, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=812691