Ermordet in Jenin

Shireen Abu Akleh

Schireen Abu Akleh - wir trauern

... um eine engagierte und aufrechte Journalistin. Die hoch angesehene palästinensische Reporterin Schireen Abu Akleh wurde während eines Einsatzes der israelischen Armee im Westjordanland in Jenin am frühen Mittwoch Morgen des 11. Mai 2022 getötet. Sie und andere Journalisten, ausgestattet mit Schutzwesten, Helm und gut sichtbarem Presse-Aufdruck, hatten über einen Militäreinsatz der israelischen Armee berichten wollen. Schon seit Wochen finden solche Operationen statt, angeblich um Terroristen zu verhaften. Der Journalist Al-Samoudi von der Zeitung Al-Quds, wurde in den Rücken geschossen, überlebte jedoch.

Obwohl dieser als Augenzeuge aussagte, dass zu diesem Zeitpunkt keine bewaffneten Palästinenser vor Ort waren (Quelle: tagesschau.de) , erfinden israelische Regierungssprecher und diverse westliche Medien einen Schusswechsel. Offenbar übernehmen europäische, insbesondere deutsche Medien vollkommen unkritisch die israelische Darstellung. Seit Beginn des Jahres 2022 wurden bereits 40 Palästinenser*innen bei solchen sogenannten "Anti- Terror"-Einsätzen getötet, 2021 waren es 341 Tote. Verletzt wurden in diesem Jahr bereits mehr als 3.500 Personen und 2021 17.892 Personen palästinensischer Herkunft (Zahlen der UN-Organisation OCHA). Seit 55 Jahren wehrt sich die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland gegen eine grausame Militärverwaltung, die die palästinensische Bevölkerung ohne Bürgerrechte militärisch, ökonomisch und politisch unterdrückt, und gegen die Politik der Vertreibung. Der Tod der Journalistin Shireen Abu Akleh folgt einer militärischen Logik: sie berichtete seit Jahren seriös und informativ zum Thema Israel/Palästina. Aber das Militär lässt sich nicht gern bei seinen schmutzigen Geschäften beobachten. Gegen die Ermordung protestieren der Rundfunksender Al-Jazeera, für den die Journalistin arbeitete, die palästinensische Bevölkerung, palästinensische Organisationen, die Autonomiebehörde, Präsident Mahmud Abbas und zahlreiche Politiker in der gesamten Welt. Und in Deutschland: der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung berichtet von einem „arabischen Antisemitismus“.

Während israelische Behörden und Armee nicht müde werden, die Möglichkeit einer Kugel aus palästinensischen Waffen zu behaupten, melden sich mittlerweile noch mehr Augenzeugen. Die Süddeutsche  Zeitung schreibt am 13.5.2022: "Nach Aussagen von Kolleginnen und Kollegen Abu Aklehs, die vor Ort waren, haben israelische Scharfschützen auf eine Gruppe Reporter geschossen. Es gibt Videoaufnahmen, die zwei Journalistinnen zeigen, die trotz Presse-Warnweste und Helm am Straßenrand unter Beschuss gerieten. Shireen Abu Akleh liegt regungslos auf dem Boden. Wenige Meter daneben kauert eine junge Kollegin in Panik. Ein weiterer Kollege, Ali Samoudi, wurde in den Rücken getroffen. Minutenlang konnte keiner zu Hilfe eilen, weil der Kugelhagel anhielt."

Die Anteilnahme der israelische "Sicherheitskräfte" sieht dann so aus, wie die Tageszeitung taz berichtet: "Nach Informationen der palästinensischen Nachrichtenorganisation Wafa hätten israelische Sicherheitskräfte die Familie der Getöteten im Lauf des Tages außerdem in deren Haus besucht und sie angewiesen palästinensische Fahnen abzunehmen und ihnen verboten – wie Wafa schreibt – „nationalistische“ Musik zu hören."

An der Beerdigung am Freitag nahm auch die israelische Armee teil - auf ihre Art. - Weltweiter Protest war die Folge und in Berlin werden mehrere  Veranstaltungen und Kundgebungen zum Thema "74 Jahre Vertreibung" verboten - auch eine Form von Anteilnahme.
Der Beitrag der israelischen Armee zur Beerdigung können sie hier sehen. Ein umfangreicherer Beitrag bei https://www.youtube.com/watch?v=WHqytR_y0I8 und nocheinmal bei https://www.youtube.com/watch?v=Ahy-5CfUql0.

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Die israelische Armee nimmt an der Beerdigung von Shireen Abu Akleh teil.